Marie-Luise Linckh wurde bereits vom Kreisverband Ludwigsburg und am vergangenen Sonntag im Ortsverein Enzweihingen aus ihrem langjährigen Ehrenamt verabschiedet. Auch der Landesverband wird Marie-Luise Linckh noch gebührend verabschieden.

In der Ludwigsburger Kreiszeitung wurde bereits im Mai über sie berichtet:

Zu Besuch bei Marie-Luise Linckh in Pulverdingen. Sie war neun Jahre Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Baden.
Von Albert Arning, Pulverdingen

Marie-Luise Linckh aus Pulverdingen hat neun Jahre den Landesverband Württemberg-Baden der Landfrauen als Präsidentin geführt. Sie wurde dafür und für weitere Ehrenämter mit dem Verdienstorden des Landes-Baden-Württemberg geehrt.

Treffen an einem schönen Maimorgen auf dem Hof der Familie im Vaihinger Mini-Ortsteil. „Ich hab‘ das alles immer gerne gemacht, es hat Spaß gemacht bis zum letzten Tag“, antwortet Marie-Luise Linckh auf die Frage, wie es denn mit den Ehrenämtern so war. Man nimmt es ihr ab. Ganz raus ist sie ja ohnehin noch nicht. Den Vorsitz der Enzweihinger Landfrauen hat sie bereits im April abgeben; da stand sie seit 1991 an der Spitze. Doch es bleibt vorläufig noch der Kreisverband.

Der Empfang im Schloss von Mannheim hat bei ihr schon Eindruck hinterlassen. Angereist mit Tochter, Schwiegersohn und Partner. Roter Teppich, Bürgerwehr als Spalier, viele bekannte Persönlichkeiten, Glückwunsch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und kleine Laudatio von ihm. „Es war der Höhepunkt meiner Arbeit“, sagt die 69-Jährige. Beeindruckt hat sie vor allem auch der Ministerpräsident, der beim anschließenden kleinen Empfang mit Verköstigung („Nix Gesponnenes“) von Tisch zu Tisch ging und mit den Gästen redete.

Jetzt ist die Mutter von drei Kindern (der Erstgeborene starb schon 1982 im Alter von sechs Jahren bei einem Unfall bei der Ernte) und sechs Enkelkindern wieder voll und ganz in Pulverdingen geerdet. Alle leben auf dem Hof. Doch die Mutter ist der Mittelpunkt. Sie ist bei allen Entscheidungen gefragt. Man schaut kurz rein bei ihr. „Klappt das mit dem Abholen der Kinder?“, Klar. Sie wird es richten. So wie sie auch mithilft, den Hofladen am Laufen zu halten, in der Nacht um drei mit dem Brotbacken beginnt.

Eigentlich wollte Marie-Luise Linckh – eine geborene Gutjahr aus Kleinglattbach, aufgewachsen mit sechs Geschwistern, „da ist man alleine nicht so wichtig“ – nach dem Abitur am Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasium ja Lehrerin werden: „Das war immer mein Traum. Ich war schon an der PH eingeschrieben.“ Doch dann entwickelte es sich mit der Beziehung zu Manfred Linckh anders. Sie zog nach Pulverdingen auf den Hof mit Schweinemast, ließ sich zu Hauswirtschafterin ausbilden, legte die Meisterprüfung ab und konnte letztlich bei der Ausbildung von Lehrlingen doch noch als Lehrerin arbeiten. Da wirkt sie heute noch im Prüfungsausschuss.

Die Zielsetzungen der Landfrauenarbeit kann sie voll und ganz unterschreiben, obwohl das öffentliche Bild oft mit dem Begriff „Landfrau“, sprich Frau eines Bauern, verknüpft wird. Einfach ausgedrückt werden Landfrauen als Frauen bezeichnet, die im ländlichen Raum zu Hause sind.  Natürlich hätten sich die Themen einst mehr um den Haushalt und den Garten gedreht. „Doch das hat sich geändert. Eine wichtige Säule ist für Marie-Luise Linckh neben der Fortbildung die politische Arbeit. So habe man am Bildungszeitgesetz (Freistellungsanspruch fünf Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres nicht nur für die berufliche, sondern auch für die ehrenamtliche Weiterbildung) entscheidend mitgewirkt und auch bei der Mütterrente („Sehr wichtig für ältere Frauen“).

Wie wird man zur Präsidentin eines Landesverbandes? „Man muss viel Zeit haben und sie sich die nehmen können“, ist eine Antwort. Aber die Schritte waren bei ihr letztlich logisch. Wahl 2010 ins Präsidium, dann Vizepräsidentin und ab 2016 drei Wahlperioden erste Frau – natürlich in der Absprache mit der Familie. Auch der Tod des Ehemanns im Jahre 2017 haben die Energie nicht geraubt. Das sieht man an den weiteren Ehrenämtern: Ortschaftsrat Enzweihingen, ab 2016 bis 2024 Stadträtin für die CDU in Vaihingen („Total spannend“), zweite Vorsitzende im Landesfrauenrat, Schöffin im Amtsgericht und im Landgericht … Dass da Ehrungen nicht ausbleiben ist normal. Staatsmedaille in Gold, goldene Biene beim deutschen Landfrauentag. Und jetzt der Verdienstorden.

Mal sehen, ob sie künftig ihren alten Hobbys wieder nachgehen wird. Lesen, Musik machen (Flöte, Gitarre, Klavier) und hören, Handarbeiten. Dazu am Montagabend die Gymnastikstunde mit den Enzweihinger Landfrauen. Es wird schon werden.