Angesichts der vielen schlechten Nachrichten und Bilder, die uns ununterbrochen aus autoritären und totalitären Staaten erreichen, wird täglich der Wert unserer Demokratie immer deutlicher: Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen, Repräsentanz der Meinungen in der Politik, staatliche Gewaltenteilung, Schutz von Minderheiten … dies alles sind die Säulen eines guten Lebens, das wir genießen können.
Weidehaltung sichert Ernährung, schützt Klima und Artenvielfalt und liegt weltweit oft in den Händen von Frauen. Bei der Herbstkonferenz in Hohenheim brachte unsere Präsidentin Karin Rau die Perspektive der LandFrauen ein.
Am Welternährungstag fand im Schloss der Universität Hohenheim die Herbstkonferenz des DEAB, des Dachverbands für globale Gerechtigkeit Baden-Württemberg e.V., statt. Der LandFrauenverband Württemberg-Baden, Mitglied im DEAB, richtete die Konferenz gemeinsam mit dem DEAB, der Universität Hohenheim und dem BUND Landesverband Baden-Württemberg aus. Unterstützt wurde sie von der Stiftung Fiat Panis. Unter dem Titel „Global denken, lokal weiden: Für Klima, Ernährung und starke Bäuerinnen“ diskutierten Fachleute aus Wissenschaft, Naturschutz, Politik und Praxis, wie Ernährung weltweit gesichert, Bäuerinnen gestärkt und Weidelandschaften geschützt werden können. Die Konferenz würdigte damit auch das Internationale Jahr der Weidelandschaften und das Internationale Jahr der Bäuerinnen.
Warum der internationale Blick auch für LandFrauen wichtig ist
Frauen in ländlichen Räumen stehen weltweit vor ähnlichen Fragen: Wie sichern wir Ernährung? Wie pflegen wir Kulturlandschaft? Und wie bekommt diese Arbeit die Anerkennung, die sie verdient? Die Berichte der internationalen Gäste machten das deutlich. Die Nomadin Badamsuren Ailtgui aus der Mongolei schilderte, wie Dürren, Kältekatastrophen und wachsende Bergbauflächen die Weiden knapper machen. Dr. Viviane Yameogo von der Universität Hohenheim zeigte am Beispiel Burkina Fasos, dass die Ernährung vieler Kinder von der Milch einer Kuh abhängt und dass Weidehaltung ohne die Arbeit der Frauen nicht möglich wäre. Der Welthunger-Index 2026 bestätigte zudem, dass der weltweite Hunger seit 2018 wieder zugenommen hat.
Karin Rau, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Baden, sagte in der Gesprächsrunde: „Viele Flächen weltweit sind nur durch Beweidung nutzbar und zu erhalten in der jetzigen Form als Kulturlandschaft.“
Handeln vor der eigenen Haustür
Auch in Baden-Württemberg gibt es Handlungsbedarf. Martin Bachhofer vom BUND Landesverband nannte eine Zahl: Nur etwa 25 Prozent der Milchkühe im Land haben Zugang zu Weiden. Als wesentliches Problem benannte er die unzureichende Förderung. Sabine Scherb, Vorsitzende des KreisLandFrauenverbands Ehingen, betonte die Rolle der Bildung: „Nur wer gelernt hat, was gute und gesunde Lebensmittel sind, kann sich bewusst ernähren.“
Zum Programm gehörte auch ein Workshop des LandFrauenverbands zum Thema „LandFrauen und Ernährungssouveränität“. Ernährungssouveränität bedeutet das Recht auf gesunde, selbstbestimmte und umweltverträgliche Nahrung und gewinnt auch politisch an Bedeutung: Der Koalitionsvertrag der Landesregierung sieht vor, sie in der Landesverfassung zu verankern.
Die zentralen Forderungen der Konferenz
- Weidehaltung verlässlich fördern, unter anderem durch eine höhere Weideprämie
- Artenreiche Weiden durch extensive Bewirtschaftung erhalten
- Wasser in der Landschaft halten, etwa durch wiedervernässte Weiden und renaturierte Flussauen
- Weidewirtschaft in Bildung und Forschung stärken
- Regionale und nachhaltige Ernährung unterstützen, auch in der Gemeinschaftsverpflegung
Unser Fazit
Wo Weidewirtschaft lebt, entscheidet sich ein Stück Zukunft, ob in der mongolischen Steppe oder auf der schwäbischen Streuobstwiese. Für den LandFrauenverband Württemberg-Baden ist klar: Wer Ernährung, Klima und Kulturlandschaft zusammendenkt, muss die Frauen im Blick haben, die diese Arbeit leisten. Deshalb engagieren wir uns im DEAB und bringen die Stimme der LandFrauen auch in internationale Debatten ein.
Der Beitrag bezieht sich direkt auf die Pressemitteilung des DEAB und nutzt Zitate aus dieser Pressemitteilung.

