Angesichts der vielen schlechten Nachrichten und Bilder, die uns ununterbrochen aus autoritären und totalitären Staaten erreichen, wird täglich der Wert unserer Demokratie immer deutlicher: Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen, Repräsentanz der Meinungen in der Politik, staatliche Gewaltenteilung, Schutz von Minderheiten … dies alles sind die Säulen eines guten Lebens, das wir genießen können.
Ein voller Erfolg in jeder Hinsicht war der von den LandFrauen Crailsheim und Schwäbisch Hall veranstaltete Europatag. Unter dem Motto „Frauen in Europa: unsere Wurzeln – unsere Zukunft“ hatten sich 50 Frauen angemeldet, damit waren die Plätze im Veranstaltungsort „Gut Ludwigsruhe“ bei Langenburg ausverkauft.
Auf die großartigen Errungenschaften Europas wies Evelyne Gebhardt, jahrelanges Mitglied im Europaparlament, hin: Europa stehe für Freiheit und Verlässlichkeit und für demokratische Rechte wie die Meinungsfreiheit. Jahrhundertelang verfeindete Staaten, wie Frankreich und Deutschland, hätten es geschafft, im Projekt Europa ein Bündnis des Friedens zu schließen. Gebhardt wies aber darauf hin, dass das Erreichte nicht gesichert sei. Sowohl von außen als auch von innen stehe Europa immer wieder vor großen Herausforderungen, auf die gemeinsam eine Antwort gefunden werden müsse.
Darauf, dass alle im täglichen Leben „EU erleben“ wies Anna-Lena Beilschmidt, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationales & Engagement bei der Stadt Pforzheim und Referentin im Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission hin: Qualitätsstandards von Lebensmitteln und Produkten, Fördergelder, Reisen ohne Grenzkontrollen… hier zeige sich EU-Politik im Alltag. Umso bedenklicher sei es, dass die Hälfte der Bevölkerung nur unzureichend und mit abnehmender Tendenz im Europäischen Parlament vertreten seien. Nach der Wahl 2024 ist der Frauenanteil im EU-Parlament erstmals seit 1979 im Vergleich zur vorhergehenden Legislaturperiode wieder gesunken. Dies sei angesichts der Tatsache, dass Frauenrechte immer mühsam erkämpft und eingefordert werden mussten – und zwar von Frauen – bedenklich. Anhand einiger Beispiele zeigte sie auf, wie lang und mühsam der Weg zur Durchsetzung der Frauenrechte ist: so mündete der bereits 1957 in den Römischen Verträgen festgesetzte Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ erst 2023 in die Europäische Richtlinie zur Entgeltgleichheit für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit. Die Gleichstellung sei aber ein Ziel, kein Gesetz. Wie Gebhardt, wies sie auf die Wichtigkeit hin, dass Frauenrechte wahrgenommen werden, damit sie nicht wieder verloren gehen. Dies geht nur mit ausreichender öffentlicher Repräsentanz.
Eine ermutigende Botschaft ging aus der anschließenden Diskussion hervor: auf die Frage an Evelyne Gebhardt, ob es im Europäischen Parlament eine fraktionsübergreifende Frauensolidarität gäbe, antwortete sie: „Ja, die ist zum Teil sehr ausgeprägt, und ohne diese wären viele Sachen nicht möglich.“
Geschrieben von MP
Foto v.l.: Andrea Lutz, Evelyne Gebhardt, Anna-Lena Beilschmidt, Svenja Brassel, Sanja Blümelsberger, Maria Püschel