Angesichts der vielen schlechten Nachrichten und Bilder, die uns ununterbrochen aus autoritären und totalitären Staaten erreichen, wird täglich der Wert unserer Demokratie immer deutlicher: Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen, Repräsentanz der Meinungen in der Politik, staatliche Gewaltenteilung, Schutz von Minderheiten … dies alles sind die Säulen eines guten Lebens, das wir genießen können.
„Wer glaubt, die Demokratie ist wie Zähneputzen oder Duschen, der irrt.“ Mit diesem Zitat von Herbert Grönemeyer eröffnete Pastor i. R. Jürgen Fleck seinen Vortrag.
Dabei stellte er insbesondere die Rolle der Frauen in den Mittelpunkt, die in der jüngeren Geschichte entscheidend zur Demokratisierung beigetragen haben. Er spannte den Bogen von den Anfängen der Demokratie im antiken Griechenland bis zu den heutigen Menschenrechten und machte deutlich: Demokratie ist kein Selbstläufer, sondern ein fortwährender Prozess.
Jürgen Fleck zeigte auf, wie viel Frauen gemeinsam bewegen können. Unter dem Leitgedanken „Wohlauf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir“ erinnerte er an den historischen Aufruf von Louise Otto-Peters aus dem Jahr 1849. Mit ihrer ersten Frauenzeitung forderte sie Frauen auf, sich zu organisieren und sich für ihre Rechte, Bildung und Selbstständigkeit einzusetzen.
Frauen erhielten in Deutschland erst im 20. Jahrhundert das Wahlrecht. Marie Juchacz schrieb Geschichte, als sie 1919 als erste Frau im deutschen Parlament sprach. Stellvertretend für viele weitere Vorkämpferinnen nannte Fleck Helene Lange, Clara Zetkin, Anita Augspurg und Marie Juchacz.
Die Zeit des Nationalsozialismus bedeutete einen schweren Rückschritt. Frauen wurden wieder auf die Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert. Erst 1949 wurde die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz verankert – gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt von den „Müttern des Grundgesetzes“. Dennoch dauerte es noch Jahre, bis Frauen beispielsweise ohne Zustimmung ihres Ehemannes einen Arbeitsvertrag abschließen, einen Kredit aufnehmen oder den Führerschein machen durften.
Zum Abschluss erinnerte Jürgen Fleck daran, wofür die LandFrauen stehen: Sie sind offen für Frauen jeden Alters und aller Berufsgruppen, konfessionell ungebunden und politisch neutral. Überall hinterlassen LandFrauen ihre Handschrift, vertreten die Interessen von Frauen und bringen sich aktiv in die Gesellschaft ein.
Seine Botschaft war klar: Demokratie ist kein Geschenk. Sie musste über viele Jahrhunderte erkämpft werden und lebt davon, dass Menschen sich informieren, Wissen weitergeben, Haltung zeigen und ihre Stimme erheben. Gerade die LandFrauen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.
Mit dem Zitat von Hannah Arendt „Wo Menschen zusammenkommen, muss man mit Wundern rechnen“ endete ein informativer und inspirierender Abend, der bei den Besucherinnen noch lange nachwirkte.